“Recruiting muss gemacht werden” – warum die Sozialwirtschaft jetzt am Ball bleiben muss
Recruiting in der Sozialwirtschaft steht vor neuen Herausforderungen: Künstliche Intelligenz verändert Prozesse, die Zahl unpassender Bewerbungen steigt und zugleich geraten Personalgewinnung und Arbeitgeberattraktivität vielerorts aus dem Fokus. Warum es dennoch wichtiger denn je ist, beim Recruiting am Ball zu bleiben, erklärt Expertin Maja Roedenbeck Schäfer im Interview. Anlass ist der neue Expertenbrief „Recruiting Briefing Sozialwirtschaft“, der aktuelle Trends einordnet, Wissen bündelt und praxisnahe Impulse für Recruiter:innen und Führungskräfte im Sozial- und Gesundheitswesen gibt.
Was sind aktuell die größten Herausforderungen beim Recruiting in der Sozialwirtschaft – und warum braucht es dafür eigene Lösungen?
Eine Recruitingstrategie ist nie „fertig“, denn die Recruitingwelt ist ständig im Wandel. Während sich viele Träger und Einrichtungen im Sozial- und Gesundheitswesen noch mit dem Einstieg auf TikTok abmühen, sind zwei große aktuelle Trends sicher der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Recruiting und der Umgang mit dem so genannten Bewerber-Tsunami. Aus Recruiter:innen-Sicht geht es beim Thema KI um operative Fragen: Darf man Bewerber per KI vorsortieren lassen? Was ist der beste Prompt zum Texten einer Stellenanzeige? Welche KI-Tools vereinfachen die Contentproduktion für das Personalmarketing? Der Bewerber-Tsunami (eine fast nicht mehr zu bewältigende Menge an unqualifizierten Bewerbungen) wiederum ist unter anderem eine Folge der Digitalisierung, hat aber auch einige andere Gründe, auf die ich in einer der ersten Ausgaben des Recruiting Briefing Sozialwirtschaft eingehen werde. Es gibt Lösungsansätze auf der digitalen, inhaltlichen und kommunikativen Ebene.
Was war für Sie der Anlass, einen Newsletter speziell zum Recruiting in der Sozialwirtschaft zu starten – und an wen richtet er sich?
Seit vielen Jahren habe ich den semiprofessionellen Newsletter Recruiting2Go herausgegeben, und es war mir schon lange ein Anliegen, ihn zu professionalisieren. Gemeinsam mit dem Walhalla Fachverlag habe ich überlegt, wie wir das anstellen könnten: aktuelle Themen, ein schickes Layout, eine größere Reichweite, eine regelmäßige Erscheinungsweise, ein interaktives Konzept. Nun ist es endlich soweit und das Recruiting Briefing Sozialwirtschaft ist geboren! Es richtet sich vorrangig an Recruitingstrateg:innen und operative Recruiter:innen im Sozial- und Gesundheitswesen, aber auch an Führungskräfte wie Geschäftsführungen, Pflegedienstleitungen oder Kaufmännische Leitungen, die auf dem neuesten Stand bleiben wollen. Und auch Behörden, Verbände und Organisationen aus anderen Branchen können etwas mitnehmen, denn sie stehen vor ähnlichen Problemen wie unsere Branche: Recruitingfragen können eben nicht mit unendlichen finanziellen und personellen Ressourcen und Kapazitäten beantwortet werden, sondern es ist Innovationskraft und Hands-on-Mentalität gefragt.
Warum ist Recruiting in der Sozialwirtschaft gerade jetzt ein Thema, mit dem sich Organisationen intensiv beschäftigen sollten?
Es ist leider deutlich spürbar, dass viele Unternehmen im Sozial- und Gesundheitswesen aktuell die Lust am Recruiting verlieren und sich anderen Themen zuwenden. 15 Jahre lang war die Personalgewinnung im Aufschwung. Stellen wurden geschaffen, Karrierewebsites gebaut, Best Practices aus der Wirtschaft für unsere Branche adaptiert. Inzwischen ist die Entwicklung gegenläufig: Projektfinanzierungen laufen aus, Vorträge zu Künstlicher Intelligenz lösen den Dauerbrenner Arbeitgeberattraktivität auf Kongressen ab, Recruiterjobs werden nicht nachbesetzt. Dahinter stecken der Frust, dass auch modernste Recruitingstrategien die große Krise im Sozial- und Gesundheitswesen nicht lösen konnten, die beängstigende gesellschaftliche und politische Situation und einige andere Faktoren. Doch die Fakten zeigen, dass wir in Sachen Personalstrategie am Ball bleiben müssen. Ohne unsere modernen Recruitingportfolios wäre die Krise im Sozial- und Gesundheitswesen noch viel größer. Der Arbeits- und Fachkräftemangel wird in den nächsten Jahrzehnten nicht nachlassen. Durch Stellenabbau und KI gelangen Menschen im erwerbsfähigen Alter auf den Arbeitsmarkt, aber sie sind mit ihren Hintergründen in unserer Branche nicht ohne Weiteres einsetzbar. Quereinsteiger-Programme und andere Lösungsansätze müssen her. Recruiting ist von der Spielwiese für Pioniere und Visionäre zum Alltagsthema geworden. Es macht inzwischen ein bisschen weniger Spaß. Aber es muss gemacht werden.
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Sie möchten beim Recruiting in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft auf dem Laufenden bleiben? Im monatlichen Recruiting Briefing Sozialwirtschaft ordnet Maja Roedenbeck Schäfer aktuelle Entwicklungen ein und liefert praxisnahe Impulse, Tipps und Arbeitshilfen für den Recruiting-Alltag.